Fährhaus

Werra/Fährhaus Bevor die erste Jestädter Werrabrücke 1890 gebaut wurde, mussten die Bürger, um jenseits des Flusses zu kommen, die Fähre benutzen. Gespanne und Tiere mussten die Werra bei Niedrigwasser durch die Klingesfurth, die sich stromaufwärts befand, durchqueren.Viele Äcker auf der Südseite des Flusses, die heute zu Niederhone gehören, waren damals Jestädter Gebiet. Bei hohem Wasserstand mussten die Gespanne die Werrabrücken in Eschwege oder Allendorf überqueren. Für die Jestädter Fährleute hatten die v. Boyneburg Hoenstein eigens ein Fährhaus errichtet. Bereits 1403 wird berichtet, dass ein Winterbergk den Hans Gotsleben mit der Axt „uff der Fehre” erschlagen hat. Fast lückenlos sind ab Mitte des 17. Jhs. die Namen der Fährmänner bekannt. Vielfach waren sie auch gleichzeitig Fischer des Adelshauses. 1643 ist Johann Peter erwähnt, 1690 Johann Heinrich Häling (Hehling). 1750 Heinrich Hehling, er starb im Alter von 44 Jahren. Ein trauriges Schicksal erlebte Fährmann und Fischer Johann George Vaupel. Sein Sohn Heinrich Johann als Nachfolger, war der letzte Fischer des Adels. Er ertrank am 14.05.1838 bei hohem Wasserstand in Ausübung seines Dienstes. Als Ludwig v. Eschwege 1802 durch Erbschaft Jestädt übernahm, wurde der Beruf des Fischers abgeschafft. der letzte berufsmäßig angestellte Fährmann war Heinrich Siebert, geb. 1850 zu Jestädt. Unter den Königlich Preußischen Strommeister Karl Gerth mit Sitz in Eschwege, wurde der Fährmann weiterhin als Uferbauer an der Werra beschäftigt. Er war zuständig für die Einhaltung der umfangreichen Wasserbauordnung von 1824. Nach Sprengung der alten Werrabrücke im April 1945 wurde für eine kurze Zeit ein provisorischer Fährbetrieb eingerichtet, bis eine Behelfsbrücke aus Pontons, Holzbohlen und Planken fertiggestellt wurde. 1949 wurde durch die Straßenbaubehörde eine neue Brücke erbaut. Im Zuge des Ausbaues der Kreisstraße und des geplanten Brückenneubaues zu Beginn des 20. Jhs. wurde das Fährhaus abgerissen; es bestand aus Wohnhaus, Stallgebäude und Schuppen. Die jetzige Brücke wurde 2002 fertig gestellt. Der letzte Bewohner war der Gespannführer und Schweinemeister des Gutes Fritz Siebert.